52 Songs 2015 #40

52songs2015

Das Thema dieser Woche kommt von B., der mir die Fragestellung um „Radiotauglichkeit“ gab. Das Medium Radio sehe ich aktuell überwiegend im Kontext Autofahren und Arbeitsplatz-Beschallung. Wobei man stationär auch auf Internet-Radio umstellen kann. Spätestens dann dürfte ersichtlich werden, dass es fast nichts gibt, was nicht in irgendeiner Form radiotauglich wäre. Im Rahmen meiner ehrenamtlichen Betätigung für LOHRO lernte ich den Begriff Klangfarbe kennen. Damit ist gemeint, dass Sender gewissermaßen einen Wiedererkennungswert haben können. Und so wird bestimmt vielerorts darüber beraten, welche Art von Musik gespielt wird.

Mir wurde berichtet, dass überregionale Mainstream-Sender nur eine bedingte Anzahl von Titeln in ihrer Musikdatenbank haben, weswegen eine Reihe von Songs mehrmals am Tag gespielt werden. Das hängt mit dem Abrechnungsmodell zusammen – Stichwort Rechteverwertung. In dieser Hinsicht bin ich überaus glücklich, dass dies nicht für freie Radios gilt. Und so kann ich als gelegentlicher Radiomacher bestätigen, dass quasi alles radiotauglich sein kann, wenn man den entsprechenden Sender auswählt. Dann kann sogar Nightcore laufen.
Auch kommt mir in dem Kontext ein Zitat von Westernhagen in den Sinn, nachdem die Angepasstheit von Musik ans Kommerzradio sehr unschön empfunden wird. Kaum noch ein Song, der länger als 4 Minuten ist oder eine komplexere Struktur oder vielleicht ein Instrumentensolo verpasst bekommt. Dazu würde ich meinen, dass seit Beginn von Musikvermarktung bestimmte Stücke einzig und allein auf kommerziellen Erfolg ausgelegt wurden. Demnach kann es schwierig erscheinen, in der Flut von Neuerscheinungen Werke mit künstlerischem Anspruch zu finden. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dieser Umstand bewusst so forciert wird. Allerdings sehe ich darin auch den Aufruf zum selbstbestimmten Ändern dieser Umstände. Denn „ehrliche“ Musik ist nicht ausgestorben, sie ist eher je nach Gemüt nur nicht so leicht zu entdecken.

Und welchen Song wähle ich nun? Ich habe mich für einen Künstler entschieden, den ich vor ein-zwei Jahren bestimmt auch kaum im Kommerzradio vernommen hätte. Das hat sich spätestens 2015 geändert, denn mit seinem Album „Beauty Behind The Madness“ hat der R’n’B-Sänger The Weeknd quasi mindestens 50% mehr Radiotauglichkeit eingestellt. Sowohl musikalisch arbeitete er mit Mainstream-Produzenten zusammen, als auch textlich schraubte er hin und wieder einen Gang runter. (Zumindest bei betreffendem Song.) Andernfalls wäre es wohl keineswegs zu einem Überraschungs-Auftritt bei einem Apple-Event gekommen. Just jenes Lied, welches The Weeknd dort präsentierte, ist ein Paradebeispiel an Eingängigkeit. Noch gelingt es dem Künstler aus meiner Sicht, den Mittelweg zwischen Kommerz und Kunst zu beschreiten. Und somit kann ich mich über die Erfolgswelle, die auch der Song „Can’t Feel My Face“ mit ausgelöst hat, freuen.

Es verbleibt zuweilen auch als Radiomensch
F.

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