Na Hauptsache smart

smatch

Da war es am Dienstagabend mal wieder so weit und eine große Firma schaffte es erneut, einen Teil der digitalen Community über alle Zeitzonen hinweg gebannt zu halten. (Am besten übrigens mit dem haus-eigenen Browser.) Der Ablauf ist Erfahrenen bereits bekannt: Zunächst das übliche Gebabbel über die besten Absichten und eigene Erfolge, bis dann wieder ein neues „bestes“ Mobiltelefon vorgestellt wird.
Zyniker können ihren Counter wieder auf 365 Tage stellen – denn so in etwa dann wird dieser neue heiße Scheiß überholt sein.

Der Markt hat gesprochen – und mehr Display lautet die Parole. Demnächst kann man also in ausgewählten Geschäften in der Sparte Telefon zwischen 3 Größen/Auflösungen wählen. Die restlichen Upgrades/Unterschiede sind für Alltags-Anwender eigentlich ziemlich unbedeutend geworden. Es sei denn, aus der Handy-Kamera soll etwas mehr herausgeholt werden. (Man finde den logischen Fehler im letzten Satz.)

Egal… mir geht es eher um Folgendes:

Die Zeit der sogenannten „Wearables“ hat einen neuen Einsteiger gefunden, welcher den Konkurrenzkampf höchstwahrscheinlich beleben wird. Und die Marketing-Fans können sich schon jetzt auf all die Momente freuen, in denen der Masse verklickert werden soll, dass ein Leben mit Smartwatch besser ist.
Ja, die „umständliche“ Handbewegung Richtung Smartphone mag damit in der Häufigkeit abnehmen. Und nach einer intelligenten Brille kommt es doch auf einen weiteren „Screen“ (plus Akku) am Körper auch nicht mehr an, oder? Dafür endlich hautnahe Impulse, wenn es um Termine, Wegstrecken oder Messaging geht. Aber soll es das mit den überzeugenden Argumenten dafür gewesen sein? Okay, das, was früher als Special-Effect in Filme eingebaut wurde, kann der verspielte Technikfreund nun in echt haben. Bloß wer wird denn wirklich später mal Fotos auf seinem Handgelenk betrachten wollen?

Mühe hat man sich offensichtlich gegeben – sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Präsentation. Und Erwartungen sollten erfüllt werden. Wer weiß, wie priviligiert sich manch Besucher im Publikum gefühlt haben muss. Ich denke, selbst als Außenseiter könnte sich die Spannung auf einen übertragen. Und ich persönlich wäre wohl spätestens beim Kurzbesuch von U2 aus dem Häuschen. Aber nicht alles, was applaudiert wurde, kam mir im Kontext „Jahr 1 nach Snowden“ so begeisternd vor.

So konnte ich jedenfalls keine Euphorie verspüren, als das Feature des geteilten Herzschlags vorgestellt wurde. Reichen also personenbezogene Daten wie Mails, Fotos und Stimme nicht aus? Nun können die großen Datenzentren in entlegenen Teilen der Erde auch noch einen Aktenreiter mit „Vitalfunktionen“ über die Nutzenden bestimmter Geräte anlegen.

Und auch die primäre Zielgruppe würde ich gegenwärtig als wenig umweltbewusst einstufen. Den Weltverbesserungsaspekt dieser Vorstellung sehe ich somit eher eingegrenzt – gerade in Bezug auf den Werbefilm. Oder zynisch: Wie wird denn die Welt verbessert, wenn ein paar gutverdienende Sportmuffel nun besser an ihre Gesundheit erinnert werden? Vielleicht fehlt mir da der Weitblick. (Übrigens hat die Westantarktis derweil den Kipppunkt überschritten.)

Es verbleibt skeptisch
F.

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