Ansichtssache: Blau ist eine warme Farbe

Zum diesem Jahresende habe ich den Eindruck, dass wir nicht mit vielen Großproduktionen im Kino überschüttet werden. Vielleicht weil die Konkurrenz vor dem „Hobbit-Hype“ kapituliert und sich damit miese Einspielergebnisse sparen möchte. Egal… ich nutze die Zeit dann eben für Nicht-Mainstream-Filme. Einen solchen habe ich gestern gesehen. Und das veranlasst mich nun zu den folgenden Zeilen.

Aufmerksam wurde ich auf den Film „Blau ist eine warme Farbe“ durch das „deutsche“ Plakat, welches sich von der Abbildung hier stark unterscheidet. Neben der Farbkombination fand ich die Ausdruckskraft der Darstellerinnen beeindruckend, welche auf ein mitreißendes Liebesdrama vermuten ließ. Einige Zeit später sah ich den Trailer zum Film, der zwar irgendwie nichtssagens daherkam, aber dennoch mein Interesse halten konnte.

Und so war der entsprechende Kinobesuch nur eine Frage der Zeit. Apropos Zeit: huch, so ausartend habe ich den Handlungsverlauf eines Dramafilms selten erlebt (Stichwort Spieldauer), was ich im Vorfeld gar nicht gedacht hätte. Und apropos ausartend: mit Tabus schienen die Filmmacher wohl nicht viel am Hut zu haben. Da wurde den Hauptdarstellerinnen sehr viel abverlangt. Mehr als es eine amerikanische Produktion scheinbar jemals zulassen würde.

Aber der Film besticht nicht nur durch die Attribute lang und explizit. Nein, die Geschichte um Adéle’s Beziehungsleben während ihres Einstiegs in die Erwachsenenwelt ähnelt einer Achterbahnfahrt der Gefühle und Konflikte. Und dank der durchweg grandiosen Leistung der Besetzung entsteht ein überaus authentischer Eindruck – sowohl hinsichtlich der Charaktere als auch auf die Handlung bezogen.
Hinzu kommen noch Einschübe von Politik, über Karrierewege, Kunst, Philosophie, Literatur und ein Hauch Gesellschaftskritik. Und nein, das Ergebnis wirkt dadurch nicht langweilig.

„Blau ist eine warme Farbe“ würde selbst ohne ausführliche Bettszenen ein meisterhaftes Filmdrama sein, welches vielleicht manchen Gelegenheitskinogängern beweist, das modernes Kino nicht nur noch zur Berieselung oder Effekteschau verkommen muss. Denn den Grad des Schockiertseins bezüglich der dargestellten alternativen Lebensweise bestimmt der Zuschauer selbst. Auch da setzt das Werk aus meiner Sicht ein Zeichen – nämlich dass die „Achterbahn Liebe“ bei all der möglichen Verschiedenheit der Teilnehmer irgendwie doch oft gleiche Facetten der Freude und des Leids parat hält.

Gibt es auch Kritik? Ja, ein wenig ging mir die Zeitachse verloren. Und auch kleine Randnotizen über Adéle’s Lebenswandel wären als Ergänzung schön gewesen.

Fazit: ein durch und durch herausragendes Drama mit unglaublich starker Ausdruckskraft. (8/10)

Es verbleibt geplättet
F.

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