Ansichtssache: Kick-Ass 2

Wie es das eine YouTube-Mädel mit den pinken Haaren schon anmerkte, ist „Kick-Ass“ eins der Werke, welches bei der Übertragung von Ausgangsmedium (Comic) auf die Leinwand (Kino) verbessert werden konnte. Der Film von 2010 rangiert seitdem unter den besten Comic-Verfilmungen. Eine Fortsetzung war daher willkommen.

In der Zwischenzeit haben die Schöpfer (Mark Millar und John Romita jr.) gleich zwei Miniserien produziert, die für den neuen Film die Vorlage bilden – „Hit-Girl“ und „Kick-Ass 2“ (ehemals mit dem Untertitel „Balls To The Wall“). Und die eine Miniserie hatte ich auch im Vorfeld gelesen, kam aber zu einem enttäuschenden Urteil, dass das anfänglich simple Basiskonzept nun total in Übertreibungen untergeht. Ebenfalls die „Hit-Girl“-Miniserie gibt den Charakteren nur bedingt mehr Tiefe.

Und was ist nun mit dem Film „Kick-Ass 2“? Nun, dieser dämpft die Übertreibungen erfreulicherweise, kommt jedoch immer noch sehr „krass“ daher. Wie sollte es auch anders sein, wenn zum wesentlichen Inhalt gehört, dass es nun eine Vielzahl kostümierter Alltagsmenschen gibt? Und für mich macht genau das den Charme des „Originals“ etwas kaputt. Zu viele Farben und aufgesetzte Coolness – und dagegen zu wenig „herkömmliche“ Gegenspieler, von den Polizisten abgesehen.

Kenner der Vorlagen werden vieles von der Handlung wiedererkennen und vielleicht mit den Änderungen glücklich sein. Im Gesamtbild ist diese Adaption dem Werk sehr treu geblieben und schafft es, die Athmosphäre der Kick-Ass-Filmwelt zu bewahren.

Klingt doch gut, oder? Nur kann ich nach der Sichtung in meinem Fall nicht von Begeisterung reden. Denn wenn mittelmäßige Comics zu einem „nur“ guten Film aufgewertet werden, bleibt halt noch Spielraum nach oben.

Was beanstande ich? Neben dem Überangebot an Kostümierten sind es die teilweise sehr flachen Lacher und vor allem der Mangel an überzeugenden Gegnern. Meine gute alte Richtlinie: ein Superhelden-Film ist nur so gut wie der Bösewicht.
Hier haben wir einen dämlichen Bengel, der seine Angestellten anblafft und sich „Kämpfernaturen“ einkauft, welche als optisches Beiwerk wiederum so gut wie keinen Hintergrund haben. Seine Motivation waren mehr Klischee als Bedrohung – Rache und ein bissel Terror nebenbei. Ich vermisste einen ernsten Schurken wie Mark Strong (aus Teil 1), welcher verbissen um den Erhalt seines Geschäfts ringt. Das ist glaubhafte Motivation.

Als nebensächliche Randbemerkung und nicht als echter Kritikpunkt möchte ich noch auf die physische Präsens von Kick-Ass-Darsteller Aaron Taylor-Johnson hinweisen. Der musste sich teilweise in Schlabberkleidung hüllen, um nicht wie ein Fitness-Junkie zu wirken. Kostümiert sah er dafür wie ein Schrank aus, was im Vergleich zu den anderen „Normalo-Helden“ fast lachhaft wirkte. Mit anderen Worten: wo für den typischen Superhelden-Film ein Schauspieler oft Muskelmasse aufbauen muss, war hier ironischerweise Untertreibung notwendig.

Und noch eine Anmerkung: entgegen manch anderer Bewertungen finde ich die Brutalität des Films nicht schlimmer als bei Teil 1.

Fazit: „Kick-Ass 2“ ist die mehr oder weniger konsequente Steigerung des Originals und damit ein durchaus unterhaltsamer Action-Film. Nur für wahre Begeisterung reicht mir dieser zweite Teil nicht. (8/10)

Es verbleibt bei der Kino-Aufarbeitung
F.

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