Ansichtssache: Man of Steel

Ich denke, dass es kein gutes Signal setzen würde, wenn ich es mir als Comic-Fan erlauben würde, für diesen Film nicht ein paar Absätze zu verfassen. Ein großer Superman-Fan war ich ja nie, auch wenn es ein paar wenige Ausrutscher im Lesestapel gibt – z.B. die fantastische „Secret Identity“-Miniserie von Kurt Busiek oder die ersten Geschichten der 2003er-Serie „Superman/Batman“ (allein schon wegen Michael Turner als Gastzeichner). Andere sogenannte „Must-Reads“ wie Grant Morrisons „All-Star Superman“ oder der Neustart der „Action Comics“-Reihe hauten mich auch nicht vom Hocker. Jedoch werde ich mir bei Gelegenheit (als hochgelobte Werke) noch „Secret Origins“ von Geoff Johns sowie „Birthright“ von Mark Waid genehmigen, um meinen Eindruck abzurunden. Ansonsten reicht mir auch der Superman-Anteil aus Serien wie „Justice League“ und so weiter – zumal die aktuellen Reihen nicht gerade viel Unterhaltungswert bieten. Aber nun zum Film:

Nachdem die letzte Verfilmung vielerseits wegen mangelnder Zügellosigkeit hinsichtlich Supermans Fähigkeiten kritisiert wurde (er hatte immerhin meist nur schwere Dinge angehoben), war für eine weiteren filmischen Anlauf ein größerer Action-Anteil zu erwarten. Und das erfordert entsprechende Gegenspieler.

Dass ein Regisseur wie Zack Snyder mit effektgeladenem Spektakel umgehen kann, hat er mehrfach bewiesen. Nur fiel dabei schon mal die Geschichte flach aus (siehe „Sucker Punch“). Die Geldgeber wollten dem vorbeugen und holten mit Christopher Nolan und David S. Goyer die Namen heran, die dem geneigten Kinogänger nach der „The Dark Knight“-Trilogie vielleicht noch in Erinnerung sein könnten. Ebenfalls wie bei den letzten Batman-Filmen castete man zudem auch hier namhafte Schauspieler für Nebenrollen. Und hat es was gebracht?

Ich würde dem ein zögerliches „joah“ entgegnen. Denn für einen Superman-Film stimmt bei „Man of Steel“ vieles. An der Besetzung gibt es aus meiner Sicht nichts zu kritisieren. Auch die Gegner wurden mit verständlicher Motivation versehen. Dass bei einer Nachbearbeitungszeit von über einem Jahr das CGI erstklassig ausfällt, erfüllt ebenfalls meine Erwartungen.

Positiv überraschten mich darüber hinaus der Einschub von Krypton (was ich zunächst eigentlich überflüssig finden wollte), der immense Science-Fiction-Anteil, die (ungewohnte) Vielschichtigkeit von Supermans biologischem Vater Jor-El und die Charakterisierung von Lois Lane, die hier wesentlich sympathischer und smarter auftritt als in aktuellen DC-Comics. Und nicht zuletzt empfand ich den Handlungsverlauf mit den Rückblenden gelungen.

Wo sehe ich Verbesserungsbedarf? So komisch es klingen mag, bei Superman einen realistischen Ansatz verfolgen zu wollen, sind doch einige grenzwertige Details vorprogrammiert. In diesem Fall die Verkörperung der Authoritäten durch zwei Militärmenschen. Als ob es keine höheren Hierarchie-Ebenen geben würde (Stichwort Krawattenträger).

Auch wenn mir das „Gekloppe“ zum Finale nicht zu viel wurde, so hätte ich mir stellenweise eine elegantere Auflösung gewünscht. So hätte der Zyniker in mir nicht den Gedanken „wäre das nicht auch zügiger gegangen?“ als Argument aufführen können.

Und schließlich mein Topp-Makel am Film: die fehlende Aufarbeitung. Es ist kein großer Spoiler, wenn ich schreibe, dass im Film Schäden entstehen. Dinge gehen kaputt. Das sah man schon im Trailer. Und ja, es gehen ganz viele Dinge kaputt. Nur fehlt mir in den letzten Szenen die Reflexion der Zerstörung – ein kurzer News-Einschub (wie bei „The Avengers“), ein paar Eindrücke der Räumungsarbeiten (wie bei „Watchmen“) oder vielleicht eine große Kundgebung/Rede (wie bei „Deep Impact“). Das Auslassen eines solchen kleinen Epilogs (gerade im Vergleich zum riesengroßen Prolog auf Krypton) finde ich enttäuschender als eine fehlende After-Credits-Szene, welche ein „Shared Universe“ andeutet.

Fazit: „Man of Steel“ muss man aus meiner Sicht nicht gesehen haben. Dazu erfreuen sich die Details um Superman einer zu hohen allgemeinen Bekanntheit. Die Geschichte, die erzählt wird, bietet insofern nicht viel Neues. Ergo punktet der Film nur in Nuancen der Neugestaltung und in der ausartenden Effekthascherei. Ein guter, moderner Remix für Genre-Fans sozusagen. (7/10)

Es verbleibt mit Nerven aus Stahl
F.

PS: um noch mal auf die Anlehnung zur Batman-Filmreihe zurückzukommen – auch da bot mir „Batman Begins“ nicht wirklich viel Neues. Erst mit „The Dark Knight“ konnten die Filmemacher ordentlich aufdrehen, nachdem die Entstehungsgeschichte bedient wurde. Vielleicht klappt das ein weiteres Mal.

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