Waiting on the world to change

John Mayer formulierte es einst so treffend, dass ich den Song vom Album „Continuum“ gern referenziere. Am Wochenende las ich einen langen Artikel über „crazy talk“ bzw. die Theorie, mit Sprachwissenschaft das Leben zu beeinflussen. Nun vielleicht nicht jedes Leben, aber zumindest das Leben um Trendsetter herum und deren Gefolgschaft, die gern auf Züge aufspringt. Und eh man sich versieht, setzen sich Wortschöpfungen durch, die dann zum Allgemeinwissen zu zählen sind. Beispiele gefällig? „Open Source“ und „Web 2.0“ – oder ganz frisch „Algorithmic Regulation“.

Dabei spielt es zunächst keine Rolle, aus welcher Ecke der Begriff nun letztendlich stammt. Die Vorstellung, dass durch gezielte Propaganda (wahrscheinlich inklusive finanzkräftiger Unterstützung) Begrifflichkeiten – mit bewusst schwammiger Bedeutung – in den Vordergrund gestellt werden, sollte dabei eher zu denken geben. Im Rahmen des Artikels wird von „Verschmutzung“ geredet, wenn Sachverhalte fachübergreifend angewendet werden, was im ersten Moment vielleicht genial wirken könnte, aber nicht das Hinterfragen erspart. Ansätze bei der Software-Entwicklung müssen nicht zwangsläufig in der Politik sinnig sein, etc. Das heißt nicht, dass interdisziplinäres Denken schadet, sondern aus meiner Sicht, dass Limitierungen in der Adaption auch Beachtung finden sollten.

Der Artikel von Evgeny Morozov behandelt in dem Kontext Fälle, in denen technische Aspekte auf Bereiche wie Wirtschaft und Gesellschaft ausgeweitet werden. Diese Richtung lässt sich ganz leicht mit dem Aufstieg des Internets begründen. Man denke da an frühe Modem-Anschlüsse und heutige Tablets mit SIM-Karten, was allgemein als gelungene Entwicklung angesehen wird. Nur macht technischer Fortschritt nicht automatisch einen gesellschaftlichen Mehrgewinn aus. Stichwort Kleingedrucktes. Ähnlich wie bei Werbefilmen die Vorteile für Produkte und Dienstleistungen auffallend betont werden, sollen auch gern bei Neuentwicklungen fragwürdige Details verschleiert werden. Und sei es nur, um bestimmte Bedeutungsauslegungen für jeweilige Interessengruppen parat zu haben.

Was will ich damit sagen? Dass unser Leben vor dem Internet besser war? Nein. Dass man wie beim Kauf eines Fernsehers den Einsatz von Technik und Diensten abwägen sollte? Vielleicht. Wahrscheinlich aber, dass kritisches Hinterfragen nicht an Bedeutung verliert – in der Hoffnung, dass noch allgemein bekannt ist, was mit kritischem Hinterfragen gemeint ist. Leider macht es uns die Welt (im Wandel) nicht einfach, wenn Faktendreherei immer leichter wird und man für so ziemlich jeden Standpunkt eine passende Statistik herbeizaubern kann.

Es verbleibt mit freundlichen Grüßen ans Vertrauen
F.

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