Ansichtssache: Amour

Ganz knapp vor der Oscar-Nacht 2013 möchte ich noch meinen Senf zu diesem Film aus Frankreich geben, der zumindest dort schon mit Preisen versehen wurde.

Die Handlung in einem Satz: Ein älteres Ehepaar hält zusammen – mit zunehmenden Schwierigkeiten.

Und das fand ich schon schwieriger zu ertragen als beispielsweise einen Splatter-Horror.
Noch deutlicher? Okay…
Nach 30 Minuten war ich mehr oder weniger schon bedient (inklusive Vorahnung über den weiteren Verlauf).
Nach 60 Minuten hatte ich Angst vor der Antwort auf die Frage, ob das noch schlimmer wird.
Nach 90 Minuten wollte ich nur noch, dass der Film zu Ende geht.

Und damit zu meiner Kritik: der Film ist zu lang. Ja, die Macher möchten das nicht im Nebenbei abhandeln, was in all den Momentaufnahmen passiert. Nur grenzt das für mich teilweise schon an Qual, wenn unangenehme Situationen bis ins Letzte ausgekostet werden müssen. Ich meine, dass ein Zusammenschnitt auf die halbe Spielzeit (also etwa 1 Stunde) ausreichen würde, ohne das Ziel groß zu verfehlen.
(Nur was, wenn es genau das Ziel ist, den Zuschauer mit dem Drama zu traktieren? Dann sind die Macher echt fies.)

Produktionstechnisch besticht das Werk durch Schlichtheit. Da so ziemlich alles in der (geräumigen) Wohung abspielt, könnte dies fast ein Bühnenstück werden. (Wenn auch kein Leichtes.) Und ja, schauspielerisch wird hier viel geboten, was natürlich für Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva eine Herausforderung gewesen sein muss. Realismus ohne Ende. So viel Realismus, dass ich am Ende beinahe froh bin, dass es sich hier um Schauspieler handelt.

Dennoch frage ich mich, warum der Film seinen Titel trägt, denn „Liebe“ möchte ich zumindest nicht mit dem Inhalt in Verbindung bringen. Da fallen mir eher eine Reihe anderer Begriffe ein.

Fazit: „Amour“ ist etwas für Interessierte und Zuschauer, die 2 Stunden Drama abkönnen. Keine leichte Kost! (Mit Ausrufezeichen.) Dennoch vermittelt der Film ohne Beschönigung Einblicke in das Beziehungsleben, wie man es selten sieht, sehen will oder gezeigt bekommt. (7/10)

Es verbleibt nicht wirklich gerührt
F.

PS: Damit habe ich es wohl erstmals geschafft, alle Nominierten in der Kategorie „Bester Film“ vor der Oscar-Verleihung gesehen zu haben. Meine Favoriten sind „Life Of Pi“ und „Silver Linings Playbook“, auch wenn wohl eher „Zero Dark Thirty“ oder „Argo“ gewinnen werden. „Les Misérables“, „Lincoln“ und „Django Unchained“ wären zwar auch möglich, aber nicht so wahrscheinlich. Noch weniger Chancen räume ich neben meinen Favoriten noch „Beasts Of The Southern Wild“ ein. Aber richtig unwahrscheinlich ist doch wohl „Amour“. Eigentlich schon etwas gemein von der Academy, diesen Film gegen die anderen Schwergewichte ins Rennen zu schicken.

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