Ansichtssache: Les Misérables

Was? Schon wieder eine Filmkritik? Ja, hat sich so ergeben. Viel Hype hat diese Roman/Musical-Verfilmung erzeugt, was natürlich an der Berichterstattung aus dem Ausland liegt und dem bereits begonnenen Preisregen. Wer weiß, wie das nach den Oscars noch aussieht. Jedenfalls wollte ich auch wissen, was nun an dem Film ist.

Kurze Anmerkung: ich kannte keine der Vorlagen und bin da relativ unbefangen ins Kino gegangen. (Wenn auch mir Musicals nicht so liegen.)

Die Geschichte ist relativ komplex, weil es viele Figuren gibt, deren Geschichte mehr oder weniger miteinander verwoben ist. Und „miserabel“ geht es so ziemlich allen Charakteren in dem Werk. Selbst bei den gut situierten Menschen kommt meinerseits wenig Neid auf. Wer möchte auch in einer Welt leben, in welcher der Armutskonflikt auf offener Straße ausgelebt wird?
Dabei ist das Elend auf den Wohlstand bezogen nur ein Teil der Handlung. Vielmehr konzentriert sich der Film auf das Elend im Herzen – Liebeskummer bzw. Lebensinhalt etc.. Ja, und nebenbei dann noch die Revolte, die aus meiner Sicht ruhig etwas mehr erklärt werden könnte – gerade für diejenigen, die sich im Frankreich um 18-Hundert-Bla nicht so sehr auskennen.

Überhaupt kann ich im Nachhinein nicht so recht sagen, was mir dieses Werk mitgeben will. Frankreich damals war nicht so toll? Es ist doof, wenn das Volk überwiegend verarmt ist? Blöd auch, wenn man an Liebe auf den ersten Blick leidet?
Ganz ehrlich – den Mix finde ich wirr bzw. bedeutungsschwach, weil es aus meiner Sicht nicht genug beleuchtet wird. Gab es keine Alternativen? Und wieso soll gerade dieser eine Liebesfall so viel dramatischer sein als die bestimmt zig anderen im Umland (der Zuschauer kennt die Liebenden doch kaum)?
Ach ja, am ehesten mag man da noch die Vergebung als Lehre mitnehmen. Das geht bei dem Leidenschaftsschwall fast unter.

So, und die Darsteller? Ja, sind gut und singen gut. Ohne da nun irgendwelche Favoriten benennen zu wollen. Klar ist das Augenmerk auf Hugh Jackman gelegt, der sich mehrfach einen Wolf singen darf. Aber das Werk ist keine Solo-Geschichte, weswegen die vielen Nebenfiguren (aus meiner Sicht) notwendige Abwechslung bringen.
Die emotionalen Stellen haben mich nur teilweise erreicht. Das mag am Winter liegen. Oder ich konnte mit der Umsetzung zu wenig anfangen. (Aktuell tippe ich eher auf Letzteres.)
Und das Gesinge? Ja, das reichte mir dann auch am Ende.

Abschließend noch eine Randbemerkung: warum hat man sich überhaupt an eine Synchronisation gesetzt, wenn das gefühlt gerade mal 10 der 158 Minuten Filmlänge ausmacht? Die paar Szenen hätte ich dann auch noch mit Untertiteln leben können. Diese waren mir an einigen Stellen sehr willkommen.

Fazit: pompös inszeniert bis zur letzten Szene, das ist der Film ohne Zweifel. Dennoch sollte der Zuschauer ein wenig Durchhaltekraft einplanen, denn der Stoff ist teilweise zäh. Zudem übertönt der Gesang aus meiner Sicht das Gefühlsleben der Charaktere – „dick aufgetragen“ könnte man auch sagen. Also optisch gelungen und inhaltlich hätte es auch eine Arie weniger sein dürfen. (6/10)

Es verbleibt noch nicht auf der Stufe des Elend angekommen
F.

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