Goldene Kamera 2013

Wow, war das langweilig. Da versuche ich, das Fremdschämen beim Fernseh-Abend zu reduzieren, meide die Casting-Hölle (DSDS) ebenso wie die „Folter-Grinsekatze“ (Hansi) – und was bekomme ich vom ZDF? Eine unglaublich dröge Preisgala, für welche hoffentlich nicht zu viele Gebühren draufgegangen sind. Was für die Unterhaltungs-Weltmeister die Golden Globes sind, nennt man bei uns Goldene Kamera. Wobei der Vergleich hinkt, weil die Auswahl der Preisträger (aus den Bereichen TV, Kino oder Musik) nicht unbedingt auf das vergangene Jahr zu beziehen ist. Eher erscheint es, dass man alte „Show-Hasen“ noch mal eben ehren möchte, bevor sie weg vom Fenster sind, oder diese gerade an einem Comeback arbeiten.

Warum war diese Veranstaltung so frustrierend? Eine kurze Auflistung:

  • Also am Setting liegt es nicht. Die Bühne war angemessen – mit LED-Panelen versehen.
  • Moderator Hape Kerkeling hatte zwar auch schon bessere Gags auf den Lippen, kann aber auch nicht als Gegenargument angebracht werden.
  • Die Kategorien wirkten allesamt stimmig – nicht zu viel.
  • Dass man von den TV-Filmen oder nationalen Darstellern nicht unbedingt alles kennt, ist in meinem Fall verständlich. Bis ich mir den Namen einer „neuen“ Schauspielerin merke, kann es dauern. Und von deutschen TV-Filmen halte ich generell auch wenig bis nichts.
  • Da finde ich es schon bezeichnender, wenn scheinbar alle nominierten deutschen TV-Filme unter die Kategorie Krimi fallen. (Reichen Tatort und Co. nicht aus?) Andererseits rutschen Komödien schnell ab in Richtung Klamauk und bevor wir so etwas wie Science Fiction oder Fantasy (selbst im Low-Bereich) erwägen, importieren wir das doch lieber.
  • Was wir leider nicht importieren können, ist Ausstrahlung. Bei so ziemlich jedem Kamera-Schwenk ins Publikum sah man arrogante Visagen und aufgetakelte Ischen, die problemlos mit dem Hashtag „karrieregeil“ versehen werden könnten. Dagegen taten mir die internationalen Gäste wie Sigourney Weaver und Al Pacino leid, die nicht wie die Zuschauer zu Hause mal eben den Raum verlassen konnten, wenn es langweilig wird.
  • Schauspieler (international) des Jahres ist Clive Owen. Okay, er ist ein fähiger Mime. Aber warum jetzt? Was hat er in den letzten 12 Monaten geleistet, was er nicht schon davor auf seiner Filmographie hätte verbuchen können? Und gegen wen trat er ins Rennen? (Wahrscheinlich war er der Einzige mit Platz im Terminkalender.) Es sind genau solche willkürlichen Entscheidungen, die mich wundern.
  • Wie peinlich ist es bitte für einen „Musiker des Jahres“, wenn dieser (Unheilig) vom Band singt, während der fürs Lebenswerk geehrte Opa (Joe Cocker) es noch live bringt?
  • Es war genau ein einziger (vielleicht sogar noch schön-gerechneter) Prozentpunkt, der „Wetten Dass“ als beste Unterhaltungssendung auszeichnete – wohl gemerkt bei einer verkürzten Auswahl von ausschließlich öffentlich rechtlichen Produktionen. (Stimmt. DSDS, Supertalent und Dschungelcamp guckt/befürwortet offiziell auch niemand.) Dass man da noch eine Balkengrafik eingeblendet hat. Das konnte nur von der Dankesrede eines Markus Lanz unterboten werden.
  • Die für mich schlimmsten Aussetzer waren jedoch die Lobenshymnen auf Nominierte, die scheinbar endlos vorwiegend abgelesen wurden und mangels audiovisueller Untermalung so glaubhaft wirkten wie politische Reden. Das hätten doch nun echt Einspieler sein können. Und ebenso befremdlich war die Wahl der Laudatoren. (Was hat David Garrett bitte mit Joe Cocker zu tun?)

TV-Zuschauer, die sich die komplette Sendung antaten, sollten sich vielleicht rechtfertigen – für diesen Verlust an Lebenszeit. Ich habe dieses Brechmittel deutscher Unterhaltung nicht vollständig ertragen können.

Es verbleibt beschäftigt mit Frustabbau
F.

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