Ansichtssache: Cloud Atlas

Wie ich einem Freund heute bestätigen konnte: ja, der Film ist schon raus. Und ich habe den auch bereits gesehen. Eindrücke gefällig?

Zunächst: nein, ich kenne die Vorlage nicht, kann mir aber dennoch vorstellen, das Buch nun zu lesen – in der Hoffnung, dass in den über 600 Seiten mehr Erklärungen zu finden sind.

Wie man bei dem wuchtigen Trailer bereits ahnen kann, ist dieser Epos von Film eine Art Training für die Aufmerksamkeit. Denn bei all den Zeitebenen und Schicksalen braucht es ein wenig Geduld, um überhaupt in den Handlungsfluss zu kommen.
Ich will damit nicht sagen, dass die ersten Minuten anstrengend sind, aber sie fordern doch ein wenig.

Wie gut, dass man im Laufe des Films immer mehr mit Informationen gefüttert wird, so dass am Ende die Vorstellung eines Gesamtbilds entsteht, welches aber immer noch sehr komplex ist. Das muss nicht schlimm sein, bietet aber noch Spielraum für Interpretationen.
Spätestens auf die Frage, was die Macher mit dem Werk nun eigentlich aussagen wollen, werde zumindest ich stutzig. Grund: die Fülle und Vielschichtigkeit an Inhalten.

Und ja, das wird auch zum Manko. Bei so viel Input bleibt der Unterhaltungswert teilweise auf der Strecke.
Ebenfalls dürftig fallen die (vielen!) Charaktere aus, die man zum Teil nur in wenigen Minuten sieht – wo soll da also noch groß Inhalt über Motivation herkommen, wenn man mit der Haupthandlung vorankommen möchte?
Dennoch empfinde ich jeden Darsteller als eine gute Wahl. Und Tom Hanks sieht man doch eh gern. Der Film wird manchmal zum Ratespiel, wie die Darsteller in der nächsten Zeitebene (mit welchem Aussehen) eingebaut werden.

Eins möchte ich an dieser Stelle anmerken: ich habe ja durchaus viele Filme gesehen, aber selten ein so ambitioniertes Projekt. Bei „Herr der Ringe“ war die Handlung wenigstens überwiegend linear – mit deutlicher Rollenverteilung. „Cloud Atlas“ erscheint einem dagegen wie der willkürliche Zusammenschnitt einer Staffel „Doctor Who“ (eine SciFi-Serie mit Zeitsprüngen). Da grenzt es schon an ein Wunder, dass am Ende alles irgendwie Sinn macht.

Wer bei all der Handlung und den vielen Figuren noch einigermaßen durchblickt, dürfte wohl erfreut feststellen, wie gut die Produktion ist – damit meine ich Effekte und Make-Up. Und ja, auch Letzteres ist hier wirklich eine Leistung (wenngleich manche die „Asia-Augen“ als befremdlich einstufen mögen). Definitiv ein Kinoerlebnis.

Was mir wiederum noch ein wenig den Spaß nahm, war die Brutalität, die aus meiner Sicht nicht so drastisch hätte dargestellt werden müssen. Die Freigabe ab 12 Jahren hätte hier ein Ausrufezeichen gebrauchen können.

Fazit: „Cloud Atlas“ ist ein wuchtiger SciFi-Epos mit Kult-Potential, guten Darstellern und einer erstklassigen Produktion. Nur büßt der Unterhaltungswert etwas durch die Komplexität ein. (7/10)

Es verbleibt unter den Wolken
F.

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