Teardrop

Eben kam mir in den Sinn, dass mir mit der Strategie, einen Eintrag mit einem Lied zu betiteln, wohl vorläufig der Vorrat nicht ausgehen wird. Und das sogar, wenn ich auf Cover-Version oder Remixe verzichte. Der heutige Titel kommt ganz klar von Massive Attack, ist mittlerweile über 10 Jahre alt und wird von meinem Heimrechner neuerdings mehrmals in der Woche angespielt – als Titelmusik einer neuen „House“-Folge. Dazu auch gleich mehr.

Denn wenn ich mir so die vergangenen Tage anschaue, wurde diese neben der Arbeit arg mit besagter TV-Serie ausgeschmückt. Und nein, ich werde nicht nochmal die Lob-Dudelei anwerfen. Wäre ja nichts Neues, dass ich die Sendung mag – noch lieber sogar im O-Ton. Stattdessen will ich kurz ein paar wiederkehrernde Erkenntnisse ansprechen. Einer der wohl häufigsten Aussagen (und  revelant für viele Handlungswendungen) ist: „Jeder lügt.“ („Everybody lies.“) – der Wahlspruch für jeden mit Vertrauensproblemen. Und dennoch ist diese Hypothese sehr dicht am Alltag – jedenfalls aus meiner Sicht.
Dem würde ich dann noch hinzufügen: „Alles kann tödlich sein“ – eben erst habe ich in einer Episode etwas vom „Broken-Heart-Syndrom“ gehört. Dabei geht einem die Liebe so richtig an die Gesundheit. Tja, sogar Romantiker sollten vielleicht aufpassen.

Stichwort Tod: den fand heute durch mich eine Fliege, die leider ganz unpassend in meinen Lebensraum kam und sich nicht ruhig verhalten wollte. Passiert. Ihre Artgenossen sind mir übrigens erst gestern erneut aufgefallen, als sie sich über einen verstorbenen Vogel hermachten. Auch das passiert in der Gegend. Man könnte denken, die Natur ist grausam. Aber wie sieht das in Bezug auf die Menschenwelt aus?
In einer entspannten Gesprächsrunde wurde ich neulich darauf angesprochen, wie viel „Schaden“ ich in der Welt unterstütze, in dem ich iOS-Geräte besitze. Gut, an dem Punkt war es dann nicht mehr ganz so entspannt. Wie aber ist so einem Vorwurf zu begegnen? In meiner Situation war es Gelassenheit. Denn moralisch lässt sich fast jede Haltung auseinander nehmen. Das kann der Verzehr von Fleisch sein, die Flugreise in den Urlaub oder der Besitz von Smartphones. Muss sich der geneigte Konsument aus den Industriestaaten zu all dem rechtfertigen? Tja, in der entsprechenden Gesellschaft kann das möglich sein. Aber ich glaube nicht, dass dies auf dem Lehrplan in den Schulen steht. Wie dem auch sei. Die Grenze zwischen Wohlstand und Dekadenz ist vielleicht gar nicht so leicht zu finden.
Aber zurück zur Frage: tragen technik-affine Konsumenten dem Leid in Afrika bei, indem sie das Vorgehen dubioser Firmen mit Absatzzahlen unterstützen? Kann man sich da noch mit Unwissenheit herausreden? Und wo bleiben die Wahnzeichen auf den Verpackungen nach dem Motto: dieses Gerät ist für das und jenes verantwortlich (hat aber auch einen tollen Prozessor)?
Und hier kommt das Problem: wenn man damit anfängt, kann man ebenso jegliche andere Industrie hinterfragen. Was macht der Mobilgeräte-Hersteller denn rücksichtsloser als der Auto-Produzent oder der Energie-Konzern? Richtig, alles schlimm. Und wo bleibt die Welle an „aufgeklärten“ jungen Menschen, die dem ein Ende setzen wollen? Im besten Fall gründen sie wahrscheinlich alternative Wohngemeinschaften, denn total Aussteigen ist doch recht anstrengend – oder sie gehen bei Schönwetter mal auf eine Demonstration oder spenden für den guten Zweck, um ihr Gewissen zu beruhigen. (Das soll jetzt keine Kritik sein.) Aber wirft man deswegen sein Telefon in den Müll oder erwägt gar nicht erst die Anschaffung eines neuen Rechners? Wahrscheinlich ginge es auch irgendwie ohne oder so, aber die Bequemlichkeit und die Umgebung sagt etwas anderes. Ist an all dem die böse Werbung Schuld mit ihren künstlich erzeugten Kaufgründen?

OK, nun habe ich den Faden verloren. Zusammenfassend lässt sich vielleicht behaupten, dass man je nach Herkunft nur bedingt die Entschlossenheit aufbringen kann, einen entscheidenden Wandel herbeizuführen – ua. bestimmt auch, weil es nicht gewollt ist. Trotz Globalisierung können manche ihr Larifari ins Internet schreiben, während andere noch nicht mal wissen, was eine Webseite ist. Andererseits würde Letzterem das Wissen vielleicht gar nichts bringen, wenn er entscheiden muss, welche Beeren seinen Hunger stillen können.
Und so bleibt es an den Gutgenährten, sich in Erinnerung zu rufen, dass Wohlstand immer einen Preis hat. Ich finde, das es sinnvoller ist, als sich dem Leben zu verweigern und in jeder Kartoffel ein totes Kind zu sehen und auf „Dauer-Schwermut“ zu schalten. Denn das hilft nun wirklich keinem.

An dieser Stelle verweise ich nochmal auf eine Aussage aus „House“: „Das Leben ist wie Reihe von Räumen. Und es wird geprägt von den Personen, mit denen man die Zeit darin verbringt.“

Es verbleibt vorerst nur mit Tropfen für den heißen Stein statt Tränen
F.

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